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Wolff, Otto

Name, Zeitachse

1971 - 1977 Otto Wolff - Gesellschaft für Analoge und Digitale Messtechnik mit beschränkter Haftung (HRB 5977, AG Charlottenburg)
1 Berlin 37, Glockenstraße 2
1970 - 1971 Otto Wolff - Zweigniederlassung der Dimetrik Gesellschaft mit beschränkter Haftung Digital-Analog Systeme (HRB 4873, AG Charlottenburg)
1941 - 1970 Otto Wolff, Präzisionswiderstände
Berlin W35, Karlsbad 15
ab 1945: Breisgauer Straße 24, Berlin Schlachtensee
ab 1952: Abbestraße 12, Berlin Charlottenburg
ab 1957: Glockenstraße 2, Berlin 37
1904 - 1941 Otto Wolff, Werkstatt für Präzisions-Mechanik (HRA 7497 AG Charlottenburg)
Berlin W, Carlsbad 15
1891 - 1904 Otto Wolff, Werkstatt für Präzisions-Mechanik und Optik
Berlin, Alexandrinenstraße 14
1890 - 1891 Wolff & Mager, Werkstatt für Präzisions-Mechanik und Optik
Berlin, Alexandrinenstraße 14

Warenzeichen und Logos

O. Wolff, Werkstatt für elektrische Messinstrumente, Berlin leicht abgewandelt, ab ca. 1967 verwendet
O. Wolff, Werkstatt für elektrische Messinstrumente, Berlin ab 1940 verwendet

Hinweis: Die hier aufgeführten Abbildungen stellen Logos oder ein ähnliches Objekt dar, die dem Marken- oder Namensrecht unterliegt. Die Dateien dürfen ausschließlich zu enzyklopädischen Zwecken verwendet werden. Alle Rechte liegen beim jeweiligen Inhaber der Markenrechte.

Geschichte

Der Mechaniker und Optiker Otto Wolff gründete im Jahr 1890 gemeinsam mit H. Mager die Wolff & Mager, Werkstatt für Präzisions-Mechanik und Optik in der Alexandrinenstraße in Berlin. Ein Jahr später, 1891, führte O. Wolff die Werkstatt alleine unter dem Namen Otto Wolff, Werkstatt für Präzisions-Mechanik und Optik weiter.

Es wurden hauptsächlich Präzisionswiderstände und Messbrücken aus Manganin gefertigt. Durch die intensive Zusammenarbeit mit der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR) wurden Normalwiderstände gefertigt, die nicht nur im Deutschen Reich sondern auch International in verschiedenen Normungs-Gremien zur Definition der Einheit Ohm verwendet wurden. Unter anderem waren die Erzeugnisse von Otto Wolff auch bei NBS/NIST in den USA im Einsatz (siehe https://www.ncsli.org/c/f/p11/124.312.pdf).

Im Jahr 1900 nahm Otto Wolff an der Weltausstellung in Paris teil und erhielt für seine Erzeugnisse eine Goldene Medaille.

1902 wurden neue Räumlichkeiten Am Karlsbad 15 in Berlin W35 bezogen (in manchen Dokumenten auch Karlsbad 15 oder Carlsbad 15 bezeichnet). Bis Mitte der 1940er Jahre (1943 / 1944) verblieb die Fertigung an dieser Adresse.

Am 17. April 1904 erfolgt der Eintrag im Handelsregister (HRA 20720Nz, Amtsgericht Berlin Charlottenburg). Im selben Jahr erfolgte auch die Teilnahme an der Weltausstellung in St. Louis (USA). Auch dort wurden die Erzeugnisse mit einem "Grand Prize" ausgezeichnet.

Eine weitere Teilnahme an der Weltausstellung in Brüssel, 1910, brachte wiederum eine Auszeichnung "2 Grand Prix" ein.

in paar Jahre später, 1919, wurde Herrn Otto Wolff die Silberne Leibnitz-Medaille verliehen.

In den folgenden Jahren wurde das Spektrum an Widerständen und Messbrücken ständig erweitert und die Geräte weiter verbessert. Ab 1938 ist die Firma unter dem Namen Otto Wolff, Elektrische Messinstrumente und ab 1940 unter dem Namen Otto Wolff, Elektrische Widerstände tätig.

1941 übernimmt sein Sohn, der Ingenieur Hans Wolff das Unternehmen und führt es unter dem Namen Otto Wolff, Präzisionswiderstände an der gleichen Adresse weiter.

Um 1945 (hier fehlen zugreifbare Adress- und Telefonbücher) wird die Firma, vermutlich wegen Kriegsschäden, in die Breisgauer Straße 24 in Berlin Schlachtensee verlegt.

1952 werden dann neue Fertigungsstätten in der Abbestraße 12, in Berlin Charlottenburg bezogen. 1957 erfolgte dann der letzte Umzug in die Glockenstraße 2 in Berlin 37. In den Nachkriegsjahren wird in verschiedenen Schriften auch die Ahrenshooper Zeile in Berlin Schlachtensee als Firmensitz genannt, dies war jedoch die Privatadresse von Otto Wolff.

Bis Mitte der 1960er Jahre wurden weiterhin Präzisionsmessbrücken für die verschiedensten Verwendungszwecke gebaut. In meiner Sammlung finden sich ein paar sehr gut erhaltene Exponate aus dieser Zeit.

Am 6. März 1970 verkauft Hans Wolff seine Firma, diese wird als Zweigniederlassung der Dimetrik GmbH weitergeführt. Gegenstand der Firma ist die Entwicklung, Herstellung und der Vertrieb von Spezial-Digital-Voltmetern und Analog-Systemen, ferner der Handel damit, sowie der Erwerb von Beteiligungen an ähnlichen Unternehmungen. Geschäftsführender Gesellschafter ist Herr Detlef Schütz, Berlin.

Schon ein Jahr später, am 13. August 1971, wurde die Zweigniederlassung an die Firma Schütz GmbH verkauft, diese wird am 15. Oktober 1971 in Otto Wolff, Gesellschaft für Analoge und Digitale Meßtechnik mbH umbenannt. Gegenstand ist die Entwicklung, die Fertigung und der Vertrieb von elektrischen Meßeinrichtungen, insbesondere die Fortführung der als Zweigniederlassung der Dimetrik Gesellschaft mit beschränkter Haftung Digitale-Analoge Systeme betriebene Firma Otto Wolff in Berlin. Geschäftsführer ist Dr.-Ing. Eberhard Schütz und später wieder Herr Detlef Schütz.

1977 stellt die Firma nach 87 Jahren ihre Tätigkeiten ein, wie in so vielen anderen Fällen auch, leider etwas unrühmlich. Die Gesellschaft wird infolge rechtskräftiger Abweisung eines Antrages auf Eröffnung des Konkursverfahrens mangels Masse auf Grund des §1 des Gesetzes vom 9. Oktober 1934 aufgelöst. Die vermögenslose Gesellschaft wird 1982 aufgrund des §2 des Gesetzes vom 9. Oktober 1934 von Amts wegen gelöscht.

Zu den Firmeninhabern Otto Wolff und Hans Wolff liegen mir bisher leider keinerlei biographische Daten vor. Auf Basis der verfügbaren Adressbücher kann geschlossen werden, dass Otto Wolff 1942 verstarb, sein Sohn Hans Wolff 1972 (in beiden Fällen finden sich danach keine Eintragungen mehr in den Adress- und Telefonbüchern). Ich hoffe, in naher Zukunft, die noch fehlenden Daten hier ergänzen zu können.

Referenzen, Quellennachweis

Die Informationen auf dieser Seite basieren auf der detaillierten Analyse der Berliner Adressbücher von 1889 bis 1943 und der Berline Telefonbücher von 1936 bis 1970, die in elektronsicher Form zugreifbar sind (siehe zlb). Weitere Informationen wurden historischen Handelsregisterauszügen entnommen und zweier Kataloge von 1910 und 1931.

Bestellbestätigung von 1910 ...

Dem Katalog No. IV lag ein Brief von Otto Wolff bei - ein Anschreiben über die Lieferung eines Widerstandskastens an Herrn Prof. Paschen, Physikalisches Institut Tübingen vom 15.10.1910.

Datierung von Geräten

Die folgenden Informationen entsprechen dem Kenntnisstand vom 12.2014.
Basierend auf den vorhandenen Exponaten der Firma und den beiden Katalogen von 1910 und 1931 kann eine grobe Zuordnung der Seriennummern zum Herstellungszeitraum getroffen werden. Es wird dabei davon ausgegangen, dass Otto Wolff seine Geräte aufsteigend durchnummeriert hat.

Seriennummer Anmerkungen, Hinweise
312 ca. 1892 - Siegel der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR) (Gerät bei eBay Oktober 2015 - hier)
1657 1901 - gesichert - Seriennummer eines Normalwiderstands, Prüfzertifikat (siehe hier)
2494 ca. 1903 (PTR Prüfsiegel auf Exponat #00751
6599 ca. 1930 - Abbildung im Katalog von 1931 mit erkennbarerer Seriennummer
9301 / 43 1943 - Ab spätestens 1943 wurde das Numernschema geändert - nach der Seriennummer wird durch einen Schrägstrich getrennt das Datierung vermerkt. Dieses Verfahren wurde mindestens bis in die 1960er Jahre beibehalten.
10858 / 51 1951 - (siehe zuvor)
17020 / 64 1964 - (siehe zuvor)
19857 Ende der 1960er Jahre

Kataloge, Firmenschriften

Preisverzeichnis No. IV Preisverzeichnis No. IV über Elektrische Mess-Instrumente - Präzisions-Widerstände aus Manganin nach der Methode der Physikalisch- Technischen Reichsanstalt / Hrsg. Otto Wolff, 1910. - 39p. : 41; gr. 8°

Exponate

[00161] Normalwiderstand 0,001 Ohm [00309] Rheostat in Kurbelschaltung, 0 - 1.000.000 Ohm, Otto Wolff Berlin, 1951 [00416] Normalwiderstand 0,01 Ohm; Otto Wolff Berlin; ca. 1970 [00441] Kurbel Dekaden-Rheostat; Otto Wolff, Berlin; ca. 1940 [00444] Vorschaltkasten für Diesselhorst-Kompensator; Otto Wolff, Berlin; ca. 1940 [00440] Diesselhorst-Kompensator; Otto Wolff, Berlin; ca. 1940
[00439] Thomson-Doppelbrücke mit 5 Dekaden, Listen-Nr. 847; Otto Wolff, Berlin; ca. 1940 [00612] Thermokraftfreier Kompensator mit konstantem kleinen Widerstand mit 5 Dekaden (Nr. 60); Otto Wolff, Berlin; ca. 1920 [00539] Kurbelwiderstandskasten mit 3 Dekaden, 0,1 - 111 Ohm; Otto Wolff, Berlin; 1964 [00540] Kurbelwiderstandskasten mit 3 Dekaden, 100 - 111.000 Ohm; Otto Wolff, Berlin; 1964 [00795] Ohmscher Eichteiler; Otto Wolff; 1960 [00836] Kaskaden-Kompensator KK12; Otto Wolff; 1963
[00835] Kaskaden-Kompensator KKV12; Otto Wolff; 1965 [00764] Thomsonsche Doppelbrücke (80 Widerstände); Otto Wolff; ca. 1905 [00751] Feußner Kompensator (77 Widerstände); Otto Wolff; 1903 [00837] MV1 - Brückenverzweigung; Otto Wolff; 1963 [00812] V44 - Dekadenwiderstand 0,1 - 1111 Ohm; Otto Wolff; 1965 [00994] - Normalelement nach Clark; Otto Wolff; 1897
[01027] Präzisionswiderstand N85-7a22 (Exportversion), 20000 Abs. Ohm; Otto Wolff, 1960 [01028] Präzisionswiderstand N85-7a25 (Exportversion), 50000 Abs. Ohm; Otto Wolff, 1960 [01029] Präzisionswiderstand N85-7a42 (Exportversion), 200 Abs. Ohm; Otto Wolff, 1960 [01030] Präzisionswiderstand, 5000 Abs. Ohm; Otto Wolff, 1957 [01031] Präzisionswiderstand N85-7a45 (Exportversion), 500 Abs. Ohm; Otto Wolff, 1960 [01032] Präzisionswiderstand N85-7a55 (Exportversion), 50 Abs. Ohm; Otto Wolff, 1960

Technische Details zu den Kurbeln

[00612] Thermokraftfreier Kompensator mit konstantem kleinen Widerstand mit 5 Dekaden (Nr. 60); Otto Wolff, Berlin; ca. 1920

(Aus dem Katalog No. IV, ca. 1910, Seite 25; Die Abbildungen stammen von verschiedenen Exponaten der Sammlung)
Die Widerstandskästen mit Kurbelschaltung haben von den Widerstandskästen mit Stöpselschaltung den Vorzug, dass sie ein schnelleres und bequemeres Arbeiten ermöglichen. Der Übergangswiderstand derselben ist stets der gleiche, vorausgesetzt, dass die Kurbelkontakte richtig hergestellt sind, was besonders den Reihenwiderstandskästen mit Stöpselschaltung gegenüber von Wert ist, bei welchen der Übergangswiderstand mit der Zahl der steckenden Stöpsel wechselt.

[00444] Vorschaltkasten für Diesselhorst-Kompensator; Otto Wolff, Berlin; ca. 1940

Auf ein gutes Funktionieren der Schleifkurbel ist besonders Gewicht gelegt. Stromleitungen durch die Achsen sind vollständig vermieden; die Achse dient nur zur Führung der massiven Schleifkurbel, die mit ihren Bürsten auf der einen Seite auf den Kontaktklötzen, auf der gegenüberliegenden Seite auf einem Kreissegment aufschleift, von wo aus der Strom fortgeleitet wird. Eine im Hartgummigriff der Kurbel befindliche Spiralfeder, die über die Achse geschoben ist, schafft den erforderlichen Auflagedruck; die Schleifbürsten bestehen aus einer großen Anzahl dünner Blätter, die unter einem Winkel von ca. 45° gegen die Schleiffläche geneigt sind. Zwischen den einzelnen Blättchen sind kurze Zwischenlagen von gleicher Stärke, sodass jedes Blättchen für sich federnd aufliegt, und dadurch ein sehr geringer und äußerst konstanter Übergangswiderstand entsteht.
Es sei noch besonders darauf hingewiesen, dass es sich empfiehlt, die Schaltflächen der Kurbelkontakte stets etwas geölt zu halten (mit feinem Öl, nicht Petroleum), der Übergangswiderstand wird hierduch absolut nicht erhöht, dagegen die Kontaktfläche gegen das Rauhwerden geschützt.
Jedes Kontaktstück ist mit einer Abzweigschraube (in jüngeren Modellen mit einer Steckbuchse) versehen, die auf der abgeschrägten Vorderfläche sitzt. Mit Hilfe dieser Abzweigschrauben kann man die Widerstände der einzelnen Dekaden jederzeit mit einander vergleichen unter Ausschluß von Übergangswiderständen.

Anmerkungen:
Die hier beschriebene Konstruktion der Kurbeln wurde bis in die 1960er Jahre beibehalten. Die technischen Änderungen im Laufe der Zeit sind sehr gering. Auch in den vollständig staubgeschützten (gekapselten) Varianten aus den 60er Jahren ist die Konstruktion identisch, mit Ausnahme der Hartgummigriffe, die durch massive Pressstoff-Knöpfe ersetzt wurden.
Bei den Schleifklötzen ist die Wesentlichste Änderung (um 1930) diejenige, dass die Schraubklemmen durch Steckbuchsen ersetzt wurden. Diese wurden dann bis in die 1960er Jahre beibehalten.

letzte Änderung 2014-02-09

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